Warum die sozial-ökologische Wende ausbleibt und was Kirche tun kann

von grenzfragen

Der Philosoph Daniel Saudek fragt, warum die sozial-ökologische Wende der reichen Gesellschaften trotz der sich drastisch verschärfenden Probleme wie Ungleichheit, Klimakrise und Artensterben ausbleibt. Er konkretisiert die Frage zudem auf die Rolle, welche die Kirche bisher gespielt hat und künftig spielen sollte.

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    Zusammenfassung

    Das Ausbleiben der sozialökologischen Wende in der Gesellschaft

    Das Grundproblem ist der Raub der Lebensgrundlagen durch die Lebensstile der reichen Welt, das sind ungefähr 20-25% der Menschheit. Die Ursachen dafür sind unfaire Handelspraktiken, zu hohe ökologische Fußabdrücke durch übermäßigen Konsum, Automobilität, Flugreisen, Fleischkonsum etc. Die Folgen davon sind Flucht, Missernten und Artensterben durch die Klimakrise. Dies verletzt die Menschenrechte und ist mit Demokratie und Rechtsstaat nicht vereinbar. Es besteht die Pflicht zu menschenrechtskompatiblen, nachhaltigen Lebensstilen.

    Die sozialökologische Wende in der katholischen Kirche Deutschlands

    Positiv ist der Einsatz von Fairtrade-Kaffee bei Veranstaltungen. Negativ sind die übermäßige Automobilität und Flugreisen, die fehlende Thematisierung des Unrechts dieser Lebensstile in der Verkündigung, die Ablehnung der katholischen Soziallehre durch rechte Kreise und die mangelnde Ausbildung in Hochschulen. Das Fazit ist, dass wesentliche Missstände bezüglich des Schutzes der Lebensgrundlagen nicht korrigiert werden.

    Was die Kirche tun muss

    Die Kirche muss sich selbst zu menschenrechtskompatiblen Lebensstilen verpflichten, klare Regeln und Grenzen wie dienstliche Flugreisen einführen, unrechte Lebensstile in der Verkündung benennen, rechte Strömungen zurückweisen und sozial-ökologische Themen in der Ausbildung verankern. Die Kirche muss die Missstände korrigieren und selbst mit gutem Beispiel vorangehen, um ihrer Vorbildfunktion gerecht zu werden.

    Weitere Beiträge der Tagung

    Die "deep incarnation" sieht Gott nicht nur in Jesus, sondern in aller Materie inkarniert. Die Theologin Julia Enxing argumentiert damit für eine Abkehr vom anthropozentrischen Paradigma hin zu einem neuen Verständnis der Beziehungen zwischen Mensch, Tier und Natur.

    Der Philosoph Hans-Dieter Mutschler setzt sich mit Argumenten gegen die Sonderstellung des Menschen auseinander. Ein Argument schließt aus der Kontinuität: Insofern die Evolution kontinuierlich bis zum Menschen verlaufe, könne dieser nichts Besonderes sein. Nun weist Mutschler nach, dass sich Kontinuität und Diskontinuität, und damit die Sonderstellung, nicht ausschließen.

    Projektvorstellungen

    Die Dissertation von Ivo Frankenreiter beschäftigt sich mit der Notwendigkeit einer ökologischen und sozialen Transformation. Der Fokus ethischer Reflexion verschiebt sich dabei von Fragen der Begründung auf solche der Umsetzung. 

    Bei der Vorstellung ihres Dissertationsprojektes setzt Johanna Häusler damit an, dass libertarische Theorien Freiheit als inkompatible mit Determinismus ansehen.