Sonderstellung des Menschen in transhumanistischer Perspektive

von Georg Gasser

Georg Gasser

Georg Gasser gibt zunächst eine Einführung in den Transhumanismus und dessen Idee der technologischen Überwindung menschlicher Grenzen. Es wird die transhumanistische Auffassung des Menschen als informationsverarbeitendes System dargestellt sowie die Vision des Mind Uploading erläutert. Anschließend diskutiert Gasser drei Kritikpunkte an dieser Sichtweise.

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      Ausführliche Zusammenfassung

      Zunächst führt Gasser in die Bewegung des Transhumanismus ein. Der Transhumanismus blickt auf eine lange Tradition des Versuches zurück, die natürlichen Grenzen des Menschen zu überwinden. Neu am Transhumanismus ist, dass er explizit die Forderung nach dem Einsatz von Technologie zur Überwindung der menschlichen Existenz stellt. Laut der transhumanistischen Deklaration sollen durch Wissenschaft und Technologie Altern, Leiden und der Tod überwunden werden. Der Mensch wird als evolutionäre Zwischenform gesehen, dessen Evolution nun selbst gesteuert werden soll.

      Zunächst führt Gasser in die Bewegung des Transhumanismus ein. Der Transhumanismus blickt auf eine lange Tradition des Versuches zurück, die natürlichen Grenzen des Menschen zu überwinden. Neu am Transhumanismus ist, dass er explizit die Forderung nach dem Einsatz von Technologie zur Überwindung der menschlichen Existenz stellt. Laut der transhumanistischen Deklaration sollen durch Wissenschaft und Technologie Altern, Leiden und der Tod überwunden werden. Der Mensch wird als evolutionäre Zwischenform gesehen, dessen Evolution nun selbst gesteuert werden soll.

      Dabei liegt dem Transhumanismus eine funktionale Theorie des Geistes zugrunde, die das Bewusstsein als Funktion eines Inputs, interner Verarbeitungsprozesse und eines Outputs versteht. Metaphysisch wird davon ausgegangen, dass es letztlich nur Informationen gibt, die in physikalischen Strukturen verpackt sind. Der Mensch ist demnach eine evolutionär entstandene Datenstruktur. Daraus ergibt sich die Vision des Mind Uploading.

      Darauf folgend werden drei Kritikpunkte an der transhumanistischen Vision diskutiert. Aus Sicht der Phänomenologie ist die kartesianische Trennung von Körper und Geist verfehlt. Vielmehr ist das Bewusstsein wesentlich mit Leiblichkeit verknüpft. Auch das In-der-Welt-Sein des Menschen mit seiner körperlichen Verfasstheit und eingebettet in eine Umwelt wird in der transhumanistischen Deutung nicht angemessen berücksichtigt. Schließlich ist auch die soziale Interaktion eng mit der Leiblichkeit verbunden und basiert nicht nur auf einer Theorie des Geistes.

      Abschließend wird dargestellt, dass die menschliche Lebensform nicht auf einzelne Merkmale wie das Selbstbewusstsein reduziert werden kann, sondern ein komplexes Bündel an Aspekten ist. Das Fazit lautet, dass die transhumanistische Deutung des Menschen und die Vision des Mind Uploading die Einheit von Bewusstsein, Verkörperung und sozialer Einbettung unterschätzt. Der Vortrag endet mit dem Ausblick, dass auch aus christlicher Sicht ein umsichtiger Umgang mit transhumanistischen Technologien geboten ist.

      Weitere Beiträge der Tagung

      Die "deep incarnation" sieht Gott nicht nur in Jesus, sondern in aller Materie inkarniert. Die Theologin Julia Enxing argumentiert damit für eine Abkehr vom anthropozentrischen Paradigma hin zu einem neuen Verständnis der Beziehungen zwischen Mensch, Tier und Natur.

      Der Philosoph Hans-Dieter Mutschler setzt sich mit Argumenten gegen die Sonderstellung des Menschen auseinander. Ein Argument schließt aus der Kontinuität: Insofern die Evolution kontinuierlich bis zum Menschen verlaufe, könne dieser nichts Besonderes sein. Nun weist Mutschler nach, dass sich Kontinuität und Diskontinuität, und damit die Sonderstellung, nicht ausschließen.

      Projektvorstellungen

      Die Dissertation von Ivo Frankenreiter beschäftigt sich mit der Notwendigkeit einer ökologischen und sozialen Transformation. Der Fokus ethischer Reflexion verschiebt sich dabei von Fragen der Begründung auf solche der Umsetzung. 

      Bei der Vorstellung ihres Dissertationsprojektes setzt Johanna Häusler damit an, dass libertarische Theorien Freiheit als inkompatible mit Determinismus ansehen.