Die Dissertation von Ivo Frankenreiter beschäftigt sich mit der Notwendigkeit einer ökologischen und sozialen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft. Obwohl diese Transformation ein ethisches Gebot und politisches Ziel ist, wartet sie noch auf ihre umfassende Umsetzung. Der Fokus ethischer Reflexion verschiebt sich dabei von Fragen der Begründung auf solche der Umsetzung.

Entfaltung
Die ethische Reflexion ist über eine Rezeption natur- und sozialwissenschaftlicher Arbeiten hinaus auch auf ontologische Fragen zu erweitern. Um die Problemstellung zu präzisieren, werden mit Kap. I die Arbeiten Ulrich Becks und Bruno Latours herausgegriffen. Wegweisend ist deren Impuls, die soziologische Arbeit um Fragen der Metaphysik zu erweitern: Weil es unkritisch vorausgesetzte Antworten auf metaphysische Fragen sind, die als hintergründige Ursachen für den gesellschaftlichen Umgang mit dem Klimawandel analysiert werden, bleibt die Auseinandersetzung hinter dem Problemniveau ihres Gegenstands zurück, solange solche Fragen ausgeblendet werden. Kap. II erarbeitet anhand der Philosophie Whiteheads den begrifflichen Werkzeugkasten, um diesen Impuls aufzunehmen. Dessen Leistungsfähigkeit wird in Kap. III anhand der schöpfungstheologischen Perspektive der Enzyklika Laudato si’ und des interdisziplinären Diskurses um den Begriff ‚Resilienz‘ geprüft, bevor Kap. IV die unterschiedlichen Erträge im titelgebenden Konzept einer prozessontologischen Transformationsethik bündelt. Als Objektgenitiv macht ‚Ethik der Transformation‘ die Prozesse zum Thema, die den ‚Wandel in Natur, Umwelt und Gesellschaft‘ bestimmen. Um angemessen auf die epistemologische Problemdimension reagieren zu können, ist es aber eben dafür erforderlich, dass die Kategorie der Transformation auch zur bestimmenden Charakteristik der ethischen Reflexion selbst wird: ‚Ethik der Transformation‘ im Sinne eines Subjektgenitivs oder Formalobjekts bedeutet dann, dem ontologischen Stellenwert des Wandels auch konzeptuell Rechnung zu tragen.
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