- Hybris – Die Reise der Menschheit - 9. Juli 2024
Johannes Krause diskutiert in seinem Vortrag “Hybris – die Reise der Menschheit zwischen Aufbruch und Scheitern” über die erfolgreiche und expansive Entwicklung der Menschheit und die damit verbundenen ökologischen Herausforderungen, die sie in eine Sackgasse führen könnten.

Zusammenfassung
Vortrag bei der Tagung “Vom Sieger zum Verlierer? Die Rolle des Menschen im Netz des Lebens“, 28.-29.06.24, Tagungszentrum Stuttgart-Hohenheim
(Transkript von freesubtitles.ai, Zusammenfassung von ChatGPT 4o; es gilt das gesprochene Wort)
Krause beginnt mit einem Blick auf die Erde aus dem Weltall und beschreibt die beeindruckende Fähigkeit der Menschheit, sich über den gesamten Planeten auszubreiten. In nur 50.000 Jahren haben Menschen alle Kontinente besiedelt und in verschiedenen extremen Umgebungen gelebt, was ihre hohe Anpassungsfähigkeit und Intelligenz zeigt.
Krause erläutert die Evolution des modernen Menschen (Homo sapiens) und dessen Ursprünge in Afrika vor etwa 200.000 bis 300.000 Jahren. Vor 50.000 Jahren verließen die ersten modernen Menschen Afrika und besiedelten Eurasien und Australien. Diese schnelle Ausbreitung unterscheidet sich von früheren menschlichen Arten und war durch genetische Untersuchungen nachweisbar.
Er erklärt weiter, dass die Menschheitsgeschichte keine geradlinige Entwicklung war, sondern eher einem “Busch” mit vielen unterschiedlichen Menschenlinien gleicht. Beispielsweise existierten vor 70.000 Jahren gleichzeitig mehrere Menschenarten wie Neandertaler und Denisovaner, die sich auch mit modernen Menschen vermischten. Diese Erkenntnisse basieren auf der Analyse alter Genome und fossiler Funde.
Ein zentrales Thema ist die sogenannte Neolithische Revolution, die vor etwa 11.000 Jahren begann und den Übergang vom Jäger und Sammler zum sesshaften Ackerbauern markierte. Diese Veränderung ermöglichte eine massive Zunahme der Bevölkerung und führte zur Entstehung großer Zivilisationen. Genetische Untersuchungen zeigen, dass die frühen Ackerbauern Europas größtenteils aus Anatolien stammten und die einheimischen Jäger und Sammler weitgehend verdrängten.

Zu beachten ist, dass die neolithische Revolution den Grundstein für die heutigen ökologischen Herausforderungen gelegt hat, indem sie eine Lebensweise etablierte, die intensive Ressourcennutzung und Umweltveränderungen begünstigt. Die modernen Auswirkungen wie die Klimakrise und das Artensterben sind direkte Fortsetzungen der tiefgreifenden Veränderungen, die in dieser Zeit ihren Anfang nahmen.
Trotz des Wissens über diese Probleme und der notwendigen Maßnahmen leben viele Menschen weiterhin über ihre Verhältnisse, was Krause als Hybris bezeichnet. Er sieht zwar Hoffnung in positiven Entwicklungen wie Klimastreiks und der Nutzung erneuerbarer Energien, betont jedoch, dass Frieden und Nachhaltigkeit gleichermaßen entscheidend für die Zukunft der Menschheit sind.
Diskussion des Krause-Vortrags

vlnr: Prof. Dr. Regine Kather, Prof. Dr. Johannes Krause, Dr. Ana Honnacker
Die Beiträge der Tagung
Führt uns die expansive Erfolgsgeschichte der menschlichen Evolution nun in die ökologische Sackgasse? Nicht, wenn wir unsere Natur überwinden - meint der Paläogenetiker Johannes Krause.
Ana Honnacker bringt die Idee der ökologischen Trauer als Schlüsselemotion für die notwendige Transformation ein. Wer betrauert wird, gehört in den Kreis derer, die moralisch zu berücksichtigen sind.
Regine Kather plädiert für einen tiefgreifenden Wandel im menschlichen Verhalten und Denken, um die Natur zu bewahren und eine nachhaltige Zukunft zu sichern. Eine ethische Neuausrichtung erkennt die Eigenwertigkeit und Dynamik aller Lebensformen und Ökosysteme an.