Im Dissertationsprojekt von Johanna Häusler geht es um das Thema Freiheit und Determinismus. Sie stellt hier ein Argument aus einem Kapitel der Dissertation vor.

Zusammenfassung
Der Ausgangspunkt ist, dass libertarische Freiheitstheorien Freiheit als inkompatibel mit Determinismus ansehen. Libertarische Theorien müssen erklären, wie Handlungen in einer indeterministischen Welt möglich sind, wobei sich das Zufallsproblem ergibt. Kompatibilismus hingegen sieht Freiheit als mit Determinismus vereinbar an. Kompatibilistische Theorien haben aber einen begrenzteren Freiheitsbegriff und müssen erklären, wie freie Selbstbestimmung und deterministischer Weltvollzug zusammenpassen.
Determinismus besagt, dass Anfangsbedingungen und Naturgesetze den Weltverlauf eindeutig festlegen, so dass es keine alternativen Möglichkeiten gibt. Libertarische Theorien gehen von einem Zwei-Wege-Vermögen aus, d.h. der Akteur hätte auch anders handeln können. Kompatibilismus hat hier ein Problem, die Rolle des Akteurs adäquat zu fassen.
Eine Möglichkeit ist die Reason Responsiveness Theorie, die besagt, dass Kontrolle vorliegt, wenn der Akteur in anderen Möglichkeiten anders gehandelt hätte. Sie ist kompatibilistisch, da die Wahrheitsbedingungen kontrafaktischer Konditionale unabhängig vom Determinismus sind.
Ich kritisiere, dass es eine prinzipielle Spannung zwischen Determinismus und psychologischem Prozess gibt und Kausalität auf Ebene des Akteurs stattfindet. Die temporale Entwicklung der Handlung lässt sich nicht bottom-up denken. Damit ist Reason Responsiveness mit kausalem Mikrodeterminismus inkompatibel. Auch psychologischer Determinismus ist problematisch, da es keine hinreichenden psychologischen Gesetze gibt. Weder Kontext noch Gründe determinieren den Akteur. Vielmehr impliziert die Rückbindung an den Akteur eine kausale Selbsttätigkeit, die ich als Akteurskausalität deute.
(Zusammenfassung von claude2, es gilt das gesprochene Wort)
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