Freiheit und Determinismus

von grenzfragen

Im Dissertationsprojekt von Johanna Häusler geht es um das Thema Freiheit und Determinismus. Sie stellt hier ein Argument aus einem Kapitel der Dissertation vor.

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    Zusammenfassung

    Der Ausgangspunkt ist, dass libertarische Freiheitstheorien Freiheit als inkompatibel mit Determinismus ansehen. Libertarische Theorien müssen erklären, wie Handlungen in einer indeterministischen Welt möglich sind, wobei sich das Zufallsproblem ergibt. Kompatibilismus hingegen sieht Freiheit als mit Determinismus vereinbar an. Kompatibilistische Theorien haben aber einen begrenzteren Freiheitsbegriff und müssen erklären, wie freie Selbstbestimmung und deterministischer Weltvollzug zusammenpassen.

    Determinismus besagt, dass Anfangsbedingungen und Naturgesetze den Weltverlauf eindeutig festlegen, so dass es keine alternativen Möglichkeiten gibt. Libertarische Theorien gehen von einem Zwei-Wege-Vermögen aus, d.h. der Akteur hätte auch anders handeln können. Kompatibilismus hat hier ein Problem, die Rolle des Akteurs adäquat zu fassen.

    Eine Möglichkeit ist die Reason Responsiveness Theorie, die besagt, dass Kontrolle vorliegt, wenn der Akteur in anderen Möglichkeiten anders gehandelt hätte. Sie ist kompatibilistisch, da die Wahrheitsbedingungen kontrafaktischer Konditionale unabhängig vom Determinismus sind.

    Ich kritisiere, dass es eine prinzipielle Spannung zwischen Determinismus und psychologischem Prozess gibt und Kausalität auf Ebene des Akteurs stattfindet. Die temporale Entwicklung der Handlung lässt sich nicht bottom-up denken. Damit ist Reason Responsiveness mit kausalem Mikrodeterminismus inkompatibel. Auch psychologischer Determinismus ist problematisch, da es keine hinreichenden psychologischen Gesetze gibt. Weder Kontext noch Gründe determinieren den Akteur. Vielmehr impliziert die Rückbindung an den Akteur eine kausale Selbsttätigkeit, die ich als Akteurskausalität deute.

    (Zusammenfassung von claude2, es gilt das gesprochene Wort)

    Weitere Beiträge der Tagung

    Die "deep incarnation" sieht Gott nicht nur in Jesus, sondern in aller Materie inkarniert. Die Theologin Julia Enxing argumentiert damit für eine Abkehr vom anthropozentrischen Paradigma hin zu einem neuen Verständnis der Beziehungen zwischen Mensch, Tier und Natur.

    Der Philosoph Hans-Dieter Mutschler setzt sich mit Argumenten gegen die Sonderstellung des Menschen auseinander. Ein Argument schließt aus der Kontinuität: Insofern die Evolution kontinuierlich bis zum Menschen verlaufe, könne dieser nichts Besonderes sein. Nun weist Mutschler nach, dass sich Kontinuität und Diskontinuität, und damit die Sonderstellung, nicht ausschließen.

    Projektvorstellungen

    Die Dissertation von Ivo Frankenreiter beschäftigt sich mit der Notwendigkeit einer ökologischen und sozialen Transformation. Der Fokus ethischer Reflexion verschiebt sich dabei von Fragen der Begründung auf solche der Umsetzung. 

    Bei der Vorstellung ihres Dissertationsprojektes setzt Johanna Häusler damit an, dass libertarische Theorien Freiheit als inkompatible mit Determinismus ansehen.