Digitalisierung – mehr als nur eine neue Technik?

von Martin Breul

Martin Breul
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Der systematische Theologe Martin Breul fragt ausgehend von Habermas nach der Digitalisierung als neuem Strukturwandel der Öffentlichkeit.

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    Es geht Breul neben den Chancen der Digitalisierung auch um die Probleme, vor allem auf drei vom Plattformcharakter der neuen Medien ausgehende Gefahren:

    • Erstens ökonomische Interessen,
    • zweitens die Intransparenz der Algorithmen,
    • drittens die Macht der neuen Medien, zu entscheiden, welche Diskurse und Meinungen öffentlich stattfinden.

    Ausführlichere Zusammenfassung:

    Der Vortrag greift zunächst auf Jürgen Habermas’ neues Buch mit dem Titel “Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit” (2022) zurück. Anlass ist die Diagnose verschiedener Krisen der Demokratie, wie der Aufstieg des Rechtspopulismus und die ökologische Krise. Hinzu kommt die Digitalisierung der politischen Kommunikation, deren Bedeutung für die demokratische Lebensform noch unklar ist.

    Laut Habermas berge die Digitalisierung Chancen, wie die Entgrenzung politischer Kommunikation, aber auch Gefahren: Verschwimmen von privat und öffentlich, Abschottung in Filterblasen, Unbekanntheit der Algorithmen privatwirtschaftlicher Plattform-Anbieter. Dies führt dazu, dass Profitinteressen zu Lasten eines deliberativen Diskurses gehen.

    Als theologische Potenziale nennt der Vortrag eine politisch-theologische Kritik systemischer Imperative zugunsten lebensweltlicher Diskurse sowie die Neuinterpretation von Kirchen als Räume deliberativer Kommunikation jenseits ökonomischer Logiken. Offen bleibt, ob Theologie weitere Potenziale bereithält, um mit dem digitalen Strukturwandel der Öffentlichkeit umzugehen.

    (Zusammenfassung von Claude-2, es gilt das gesprochene Wort)

    Mehr von der Tagung “Theologie, wie hältst du es mit der Technik?”

    Der systematische Theologe und Ethiker Jörg Dierken geht mit einer breit angelegten Reflexion auf die Begriffe Technik, Kultur und Theologie ein. Verbunden sind diese durch eine am deutschen Idealismus orientierten Verhältnis von Geist und Natur. Von daher diagnostiziert er die Positionen des Transhumanismus und der Gaia-Ökologie.

    Der Pastoraltheologe Wolfgang Beck macht auf das Konkurrenzverhältnis von Religion und Technik aufmerksam. Er will dies aber nicht im Sinne einer kulturellen Verfallshermeneutik verstanden wissen, sondern vielmehr als theologischen Befreiungsprozess, als Befreiung von magischen Vorstellungen und auf Machterhalt ausgerichteter Strategien.

    Für Birte Platow setzt der Diskursbeitrag von Theolog:innen voraus, dass sie sich technisches Wissen aneignen und ihre theoretischen Grundlagen überdenken müssen. Wichtig sind eine differenzierte Betrachtung von Technik und eine frühe Einbindung in Entwicklungsprozesse. Bezogen auf die Religionspädagogik zeigt Platow auf, wie sich Menschen in Analogie zu vorherrschenden Technologien wahrnehmen, was Auswirkungen auf die Identitätsbildung hat.

    Der wissenschaftlich–technische Fortschritt führt auch auf die Frage, was den Menschen letztlich ausmacht. Wie ist es um Freiheit und Verantwortung bestellt, und was wird künftig aus dem Menschen, wenn die Technik, insbesondere die Künstliche Intelligenz immer besser wird? Der Technikphilosoph Armin Grunwald stellt die alte Frage „Wer bist du, Mensch?“ auf aktuelle Weise neu: Als Frage nach dem Menschen im Spiegel seiner Technik.