Der hybride Mensch als Verweser und Retter der Schöpfung

von grenzfragen

Lorns-Olaf Stahlberg geht es um das Selbstverständnis des Menschen, die Welt zu beherrschen, zu gestalten und jetzt auch zu retten.

video
play-sharp-fill
    Mit Klick akzeptieren Sie Youtube-Bedingungen

    Zusammenfassung

    Während dem Menschen in den biblischen Schöpfungsberichten die herausgehobene Rolle des Bebauers und Bewahrers – man könnte auch sagen: des Verwesers – der Schöpfung zugesprochen wird (Gen 1,28 und 2,15), muss man heute wohl konstatieren, dass er diese Aufgabe eher schlecht als recht erfüllt. Er erweist sich vielmehr in einem übertragenen Sinne tatsächlich als regelrechter „Verweser” i. S. v. Zersetzer bzw. Verwüster der Welt, denkt man an die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen und den anthropogenen Klimawandel. Hier spielt sicherlich ein gewisser Machbarkeits- und Fortschrittswahn eine Rolle, der sich insbesondere seit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert als eine treibende Kraft der Naturnutzung und schließlich der Naturzerstörung etabliert hat. Aus dem hybriden Dasein in Abhängigkeit von der Natur auf der einen sowie in der Rolle als ihr Gestalter und Bewahrer auf der anderen Seite schlägt sich der Mensch auf die Seite bedenkenloser Hybris.

    Statt Herrscher oder Retter soll der Mensch Hüter der Schöpfung sein, der ihre Vollendung prospektiv in sich trägt. Es gilt, jenseits der technischen Lösungen die Richtung der Lebensweise zu finden, die in eine bessere Zukunft weist.

    Weitere Beiträge der Tagung

    Die "deep incarnation" sieht Gott nicht nur in Jesus, sondern in aller Materie inkarniert. Die Theologin Julia Enxing argumentiert damit für eine Abkehr vom anthropozentrischen Paradigma hin zu einem neuen Verständnis der Beziehungen zwischen Mensch, Tier und Natur.

    Der Philosoph Hans-Dieter Mutschler setzt sich mit Argumenten gegen die Sonderstellung des Menschen auseinander. Ein Argument schließt aus der Kontinuität: Insofern die Evolution kontinuierlich bis zum Menschen verlaufe, könne dieser nichts Besonderes sein. Nun weist Mutschler nach, dass sich Kontinuität und Diskontinuität, und damit die Sonderstellung, nicht ausschließen.

    Projektvorstellungen

    Die Dissertation von Ivo Frankenreiter beschäftigt sich mit der Notwendigkeit einer ökologischen und sozialen Transformation. Der Fokus ethischer Reflexion verschiebt sich dabei von Fragen der Begründung auf solche der Umsetzung. 

    Bei der Vorstellung ihres Dissertationsprojektes setzt Johanna Häusler damit an, dass libertarische Theorien Freiheit als inkompatible mit Determinismus ansehen.