Mit Physikstudium und seiner Habilitationsschrift Moderne Physik und Theologie ist der Theologe Andreas Benk seit Jahrzehnten qualifiziert für die Begegnung von Theologie und Naturwissenschaften. Wer Benk dabei einmal mehr für die im theologischen Diskurs gängigen Harmonisierungen in Anspruch nehmen will, wird allerdings enttäuscht. Im Gegenteil: Distanz ist angesagt, und die Fixierung einer Schöpfungstheologie auf Naturwissenschaften muss aufgebrochen werden, wenn der eigentliche Sinn der Schöpfungserzählungen (wieder) freigelegt werden soll. Dies ist eine heilsame Provokation für manche interdisziplinäre Theologie, aber auch für die eigene Akademiearbeit. Denn wer nur auf den Bezug zur Evolutionstheorie schielt, übersieht allzu leicht, dass Schöpfungstexte befreiungstheologisch zu lesen sind und als Hoffnungsgedichte im Dienste einer lebensfreundlichen Utopie der Gerechtigkeit stehen. Mit dem Titel “Reden von Gott als Befreiung denken” weiß die Festschrift, die Benk bei seiner Abschiedsvorlesung am 18.01.24 überreicht wurde, dessen Anliegen im Kern zu würdigen: “weg von Dialogen, wie Schöpfung in naturwissenschaftliche Modelle einzupassen sei und hin zu einer, vom befreienden Handeln Gottes ausgehenden Neuinterpretation von Schöpfungspoesie”, so der Herausgeber Thomas Weiß im Vorwort.

Foto © Rainer Teichmann
Gerade dem vorliegenden forum-grenzfragen tut die Ermahnung immer wieder gut, bei allen Bemühungen um den Dialog zwischen Naturwissenschaft und Theologie die Perspektive nicht darauf zu fixieren, sondern nach den eigentlichen Inhalten der religiösen Texte zu suchen. Der Dialog kann allenfalls den Boden bereiten für das Eigentliche. In dieser Funktion ist er aber auch m. E. unverzichtbar, was mich von Andreas Benk unterscheidet.
Was ich damit meine, habe ich in dem Festschriftbeitrag “Falsche Fixierungen – Über die richtige Wahl theologischer Bezugswissenschaften” entfaltet (S. 121-140), ähnlich auch in diesem Forum bei der Rezension von Benks “Schöpfung – eine Vision von Gerechtigkeit”.
Über viele Jahre habe ich die Beiträge von Andreas Benk und seine Mitarbeit in einem interdisziplinären Arbeitskreis als Bereicherung und konstruktive Kritik erfahren. Ein kleiner Auszug aus diesen Begegnungen sei abschließend als Dank und Würdigung zusammengestellt, in der Hoffnung, dass der offizielle Abschied von der Hochschule keinen Abbruch der Begegnung darstellt.
Heinz-Hermann Peitz, Januar 2024
Von und über Andreas Benk in diesem Forum
Statt einer Harmonisierung mit den Naturwissenschaften betont Andreas Benk die befreiungstheologischen Dimensionen der Schöpfungstheologie. Benks Säkularisierung schöpfungstheologischer Ausführungen bedeutet aber für den Rezensenten Substanzverlust.
Orientiert an seinem neuen Buch "Schöpfung – eine Vision von Gerechtigkeit" will Andreas Benk die Fixierung der gängigen Schöpfungstheologie auf die Naturwissenschaften zugunsten ihrer eigentlichen, befreiungstheologischen Intention überwinden.
Die Frage von Jürgen Audretsch, ob die verborgene Natur eine Analogie in der negativen Theologie hat, leitet über zum Beitrag von Andreas Benk, der die so genannte "negative Theologie" stark zu machen versucht.
Der Physiker und Theologe Andreas Benk hat mit dem erfrischend provokativen Buch "Gott ist nicht gut und nicht gerecht" zum Nachdenken über das Gottesbild der Gegenwart angeregt. Verabschiedet er sich auch von Gott als Schöpfer, wenn er behauptet, dass "die Aussage, 'Gott ist Schöpfer' sofort wieder verneint, zurückgenommen werden muss"?
Nach wie vor gängig ist bei christlichen Naturwissenschaftlern die Differenzierung zwischen Weltanschauung und Weltbild: Die in der Bibel ausgedrückte „jüdisch-christliche Weltanschauung“ kann sich mit ganz unterschiedlichen „naturwissenschaftlichen Weltbildern“ verbinden.