Über- und Rückblick zur Tagung “Theologie, wie hältst Du es mit der Technik?”

von grenzfragen

Die Hohenheimer Fachtagung fragte vom 18. bis 20. September 2023 interdisziplinär nach den Herausforderungen der technologischen Durchdringung der Gesellschaft und dem theologischen Diskursbeitrag. Eine Dokumentation in Videos und Zusammenfassungen.

Einführendes Panel mit Anna Maria Riedl (Moderation), Jörg Dierken, Wolfang Beck und Martin Breul

Technik gehört zum menschlichen Dasein, und doch erleben wir einen rasanten technologischen Wandel. Die Bewertung von Technik kann dabei radikal verschieden ausfallen und wird im Diskurs selbst häufig mit religiösen Begrifflichkeiten und Deutungen aufgeladen. Technik wird einerseits zum Hoffnungsträger – sie verspricht Erlösung vom Tod, die Rettung vor dem Klimawandel. Andererseits wird sie als menschliche Hybris bewertet – der sich selbst erlösende Mensch, die Zerstörung der Natur. Zugleich sind technische Entwicklungen und ihre Bewertung immer Spiegel der Zeit und Folge eines gesellschaftlichen Verhandlungsprozesses zwischen Akzeptanz und Ablehnung, Modifikation und Erweiterung, Interesse und Desinteresse etc., der mal mehr, mal weniger öffentlich erfolgt.

In 20 Vorträgen und Podien hat die Tagung vielfältige Aspekte zusammengetragen. Einem einführenden Panel schlossen sich drei thematische Runden an, denen es um Digitalisierung, Technologisierung und Materialismus ging. Ein letztes Panel schloss mit drei Tagungsbeobachtungen und deren Diskussion ab.

Von den Tagungsbeobachtungen dokumentieren wir an dieser Stelle exemplarisch den durchaus kritischen Rückblick von Hans-Joachim Höhn, Professor für Systematische Theologie und Religionsphilosophie an der Philosophischen Fakultät der Universität Köln.

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    Anlässlich des Tagungsrückblicks behandelt Höhn die Herausforderungen und Schwierigkeiten der Theologie im interdisziplinären Dialog mit Technikdiskursen. Es wird die Frage aufgeworfen, ob die Theologie überhaupt einen originären Beitrag zu Technikdebatten leisten kann. Kritisiert wird, dass Theologen zwar technische Diskurse rezipieren, aber kaum Eigenes beizutragen haben und eher in Verlegenheit geraten, wenn sie nach spezifisch theologischen Perspektiven gefragt werden. Zudem seien manche Verhältnisbestimmungen, wie z. B. der Panentheismus, eher Ausflüchte denn tragfähige Brücken.

    Das Schlimmste, was der Theologie passieren kann, ist das Attest ihrer Entbehrlichkeit im wissenschaftlichen Diskurs.”

    (Hans-Joachim Höhn)

    Vorgeschlagen wird, sich nicht grenzüberschreitend direkt auf das Technische zu beziehen, sondern sich auf die Analyse der Narrative und religiösen Aufladungen von Technik zu konzentrieren (das “Nicht-Technische des Technischen”), da die Theologie hier einen Beitrag leisten könne. Jedoch dominiere insgesamt eine Tendenz zur Säkularität, die es der Theologie erschwere, noch anschlussfähig zu sein. Als Ausweg wird eine “Theologie der Säkularität” vorgeschlagen, die Möglichkeiten entwickelt, Gottesgedanken auch in einer säkularen Welt Bedeutung zu geben. 

    Mehr von der Tagung “Theologie, wie hältst du es mit der Technik?”

    Der systematische Theologe und Ethiker Jörg Dierken geht mit einer breit angelegten Reflexion auf die Begriffe Technik, Kultur und Theologie ein. Verbunden sind diese durch eine am deutschen Idealismus orientierten Verhältnis von Geist und Natur. Von daher diagnostiziert er die Positionen des Transhumanismus und der Gaia-Ökologie.

    Der Pastoraltheologe Wolfgang Beck macht auf das Konkurrenzverhältnis von Religion und Technik aufmerksam. Er will dies aber nicht im Sinne einer kulturellen Verfallshermeneutik verstanden wissen, sondern vielmehr als theologischen Befreiungsprozess, als Befreiung von magischen Vorstellungen und auf Machterhalt ausgerichteter Strategien.

    Für Birte Platow setzt der Diskursbeitrag von Theolog:innen voraus, dass sie sich technisches Wissen aneignen und ihre theoretischen Grundlagen überdenken müssen. Wichtig sind eine differenzierte Betrachtung von Technik und eine frühe Einbindung in Entwicklungsprozesse. Bezogen auf die Religionspädagogik zeigt Platow auf, wie sich Menschen in Analogie zu vorherrschenden Technologien wahrnehmen, was Auswirkungen auf die Identitätsbildung hat.

    Der wissenschaftlich–technische Fortschritt führt auch auf die Frage, was den Menschen letztlich ausmacht. Wie ist es um Freiheit und Verantwortung bestellt, und was wird künftig aus dem Menschen, wenn die Technik, insbesondere die Künstliche Intelligenz immer besser wird? Der Technikphilosoph Armin Grunwald stellt die alte Frage „Wer bist du, Mensch?“ auf aktuelle Weise neu: Als Frage nach dem Menschen im Spiegel seiner Technik.